Echte Meisterwerke:

Bücher für Leute, die wenig Zeit haben


Jorgen Randers war einer der Autoren des legendären Berichts "Die Grenzen des Wachstums" (1972). Nachdem er sich über viele Jahrzehnte hinweg um die die Zukunft der Erde gesorgt hatte, wollte er es im Jahr 2012 wissen: Er schaute 40 Jahre zurück und erstellte eine Prognose für die nächsten 40 Jahre. Er folgte dabei keiner Ideologie, vielmehr setzte er auf lange Datenreihen, nüchterne Expertenmeinungen und dynamische Tabellenkalkulationen. Er lässt Sie teilhaben an seiner Logik und hofft noch immer noch, es käme anders....



Diese Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze vermittelt eine spannendes und vielseitiges Bild der ökologischen Geschichte des Holozäns (Periode seit Ende der letzten Eiszeit bis heute). Es werden die Veränderungen der Lebensräume (Wälder, Flüsse) ebenso beschrieben wie die Schicksale ganzer Gruppen (Säugetiere, Vögel). Aus Untersuchungen kleiner und vordergründig irrelevanter Gruppen (z.B. Süßwasser-Muscheln und Röhrennasen) lassen sich interessante Rückschlüsse auf´s Gesamtsystem ziehen. Insgesamt zielt der Band darauf ab, durch ein Verständnis der Vergangenheit die Aufgaben der Zukunft besser zu meistern. 



Das Standardwerk von Thomas Piketty (und seinem großen Team) ist ein absolutes Muss für jeden, der sich für das Thema Ungleichheit abseits ideologischer Debatten interessiert. Piketty schafft es, historische und aktuelle Entwicklungen laienverständlich darzustellen und gleichzeitig die zugrundeliegenden Daten der Fachwelt zur Verfügung zu stellen. Somit erhielt dieses Buch weltweite Beachtung und dient als Referenz für die kommende Forscher-Generation. Wen die 800 Seiten abschrecken, kann sich mit der 50-seitigen Einleitung begnügen und wird schon hier viel Erhellendes finden.



Branko Milanovic war lange Zeit Chefökonom der Forschungsabteilung der Weltbank. Sein Schwerpunkt-Thema ist die Ungleichheit. Dieses Buch nimmt Stellung zu Piketty (siehe oben) und vertritt teilweise abweichende Interpretationen, was die detaillierten Ursachen der zunehmenden Ungleichheit vertritt. Da kontroverse Positionen das eigene Denken anregen, lohnt es sich durchaus, 2 Bücher zum gleichen Thema zu lesen. 



Noch ein Buch über Themen der Wirtschaft?

Gabriel Zucman, dessen "Genauigkeit und beeindruckende Leistungsfähigkeit" Piketty (s.o.) in seiner Danksagung hervorhebt, gilt als führender Experte auf dem Gebiet der Steueroasen. Hier wird Geld versteckt, das in wissenschaftlichen Beschreibungen von Ungleichheit nicht erfassbar ist. Zucman liefert nicht nur eine Analyse sondern auch allgemein verständliche Ansätze, wie dem Phänomen der Kapitalflucht in einer globalisierten Gesellschaft begegnet werden kann.

 



Niemand geringerer als Jared Diamond lässt uns bei seinem Streifzug durch´s Leben einige helle Lichter aufgehen. Wo sind all die großen Tiere geblieben, die einst Amerika, Eurasien und Australien bevölkerten? Warum gibt es keine Riesenwombats, Mammuts, Donnervögel, Säbelzahnkatzen, Höhlenbären, Riesenfaultiere und Beutellöwen mehr? Warum haben die eurasische Völker im Ringen um die Weltdominanz (vorerst) die Überhand behalten? Warum waren Indianer und Aboriginals so wenig wehrhaft? Reicht unser aktuelles Wissen, um beurteilen zu können, wie stark wir unsere Umwelt verändern dürfen, ohne selbst Schaden zu nehmen?



Der Wissenschaftsjournalist Quammen schreibt über grundlegende natürliche Prozesse: Die Entstehung und das Aussterben von Arten. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Inseln, bzw. den Tieren, die sich darauf tummeln;  kurz gesagt: der Inselbiogegraphie. Inseln fungieren als Katalysatoren bezüglich der Entstehung neuer und teils bizarrer Arten. Ihr begrenzte Größe lässt sie aber zur evolutionären Sackgasse für Arten werden, die aufgrund ihrer hochgradigen Spezialisierung und ihres begrenzten Gen-Pools mit Änderungen ihrer Umwelt oft nicht zurecht kommen. Warum die Inselgesetze auch für die kontinentalen Welten relevant sind? Es reicht schon der Blick auf eine Autobahnkarte oder aus dem Flugzeugfenster, um zu erkennen, dass die Lebensräume der Landmassen zunehmend in inselartige Bruchstücke zerteilt werden. Wurscht? Eher nicht...



Warum sucht sich der Mensch, sich von allen anderen Tieren abzugrenzen, obwohl wir bezüglich unserer Gene und auch unserer Verhaltensweisen eine überraschend hohe Übereinstimmung mit unseren nächsten Verwandten aufweisen? In bestechend neutraler Manier zeigt der Primatologe Frans de Waal, dass wir bei ehrlicher Betrachtung keinen alleinigen Besitzanspruch auf Werte wie Liebe, Zuneigung und Moral stellen können; und dass die Religion als uralter Begleiter des Menschen nicht Erfinder, sondern (im besten Fall) Behüter von noch älteren gesellschaftlichen Werten und Normen ist. Damit verbindet der Autor keinesfalls eine zynische Entwertung des Menschen, vielmehr würde er gerne Hindernisse einer positiven Entwicklung aus dem Weg räumen.



Wie tickt ein Land, dass - gemessen an seinen Rohstoffen - unendlich reich sein müsste und doch bettelarm daherkommt? Neben den unerlässlichen Recherchen in den kolonialen Archiven hat der Autor im Wesentlichen die Afrikaner selbst befragt. Er traf letzte Zeitzeugen aus Stanley´s Tagen und ließ sich  einsaugen in schwarzafrikanische Welten. Wie konnte es zum "Reich der abgehackten Hände" im "Herz der Finsternis" kommen. Wie konnte der Sprung in die Unabhängigkeit so fürchterlich missraten? Warum kommt der Osten nicht zur Ruhe? Herausgekommen ist eine Art Thriller, spannender als jede Fiktion. Der Autor zeichnet ein zutiefst menschliches Bild der krisengeschüttelten ehemaligen terra incognita. Am Ende will man nicht wahrhaben, dass das dicke Buch tatsächlich schon ausgelesen ist....



Was ist ein Algorithmus, was ist eine Plattform, was ist "disruptiv"? Wer übernimmt Steuerung und Führung in einer digital-vernetzten Welt? Was kosten "kostenfreie" Angebote im Netz? Persönliche Daten sind die Währung der Zukunft, lassen sie sich doch zu richtiggehenden Bedienungsanleitungen für Einzelpersonen, Familien oder andere soziale Systeme bis hin zu Nationalstaaten umformen. Google & Co machen sich auf den Weg, eine bislang nicht vorstellbare Machtposition zu ergreifen. Die Benutzer selbst liefern den Treibstoff für diese explosive Entwicklung.  Wer diese Szanarien als übertrieben belächelt, lebt in einer Blase, abgeschieden von den mächtigen Entwicklungen und Umwälzungen unserer Zeit. Sagt jedenfalls der Wirtschafts-Journalist Christoph Keese, der mit seiner Familie ein halbes Jahr im Silicon Valley lebte, um der Jetzt-Zeit auf den Zahn zu fühlen.



Hochkalorische Philosophenkost! Wie stehen wir zur Technik, die uns so viele segensreiche Dinge ermöglicht und deren Dominanz angesichts wesentlicher ökologischer Bedrohungen dennoch so beängstigend ist? Brauchen wir mehr oder weniger Technik? Befinden wir uns auf dem Weg zu einer neuen selbsregulierten Weltordnung oder opfern wir den Lebensraum Erde für einen hoffnungslosen Traum? Und sind das überhaupt die richtige Fragen?



Wirtschaftliches Wachstum hat unserem Kulturkreis einen beachtlichen Wohlstand beschert. Aber wie sieht die Kosten/Nutzen-Rechnung aktuell aus? Kann das System sein Versprechen, den Wohlstand anhaltend zu mehren, weiterhin einlösen? Oder überwiegen mittlerweile die "unerwünschten Arzneimittelwirkungen"? Wieviel Überfluss braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Die nüchterne Bilanz des Autors kommt zu einem eindeutigen Schluss: Das System hat ausgedient (zumindest für die Allgemeinheit der hochzivilisierten Welt). Und je länger wir das verdrängen, desto größer wird der Scherbenhaufen, den wir am Ende vorfinden.